Ergänzende Literatur

EU-Rangliste – Deutschland ist Vize-Innovationsmeister

Deutschland ist Vize-Innovationsmeister – heute-Nachrichten, 26.03.2013
http://www.heute.de/Deutschland-ist-Vize-Innovationsmeister-27243656.html
Eine EU-Rangliste belegt, dass Deutschland eines der innovativsten Länder in Europa ist. Nur Schweden schneidet besser ab. Weit abgeschlagen sind dagegen Osteuropäer wie Rumänien und Bulgarien.

Eine EU-Rangliste belegt, dass Deutschland eines der innovativsten Länder in Europa ist. Treiber dafür sind vor allem der Mittelstand und die Hochschulforschung. Nur Schweden schneidet besser ab. Süd- und osteuropäische Länder floppen.

Deutschland liegt auf Platz zwei von 27 EU-Staaten in Sachen Innovation – das ist das Ergebnis einer EU-Studie, die Industrie- und Unternehmenskommissar Antonio Tajani und seine Kollegin Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung und Innovation, präsentiert haben. In Deutschland sorgen besonders die kleinen und mittleren Unternehmen für das gute Abschneiden im Bereich der Innovationen: 80 Prozent der deutschen Betriebe arbeiten innovativ. Das heißt, sie entwickeln selbst neue Produkte oder Konzepte.

Diese Quote ist, im Vergleich zu anderen Ländern, herausragend hoch. In Spanien verfolgen beispielsweise nur 40 Prozent der Unternehmen innovative Ansätze. Generell liegen die süd- und osteuropäischen Länder im Innovationsranking hinten. Schlusslicht ist wieder einmal Bulgarien. Auch Rumänien, Lettland und Polen gehören zur Schlussgruppe der “bescheidenen Innovatoren.”

Die Kluft wird größer

Abgesehen von Griechenland und Zypern konnten zwar alle Länder ihre Innovationsleistung steigern, doch die Kommissare äußerten sich bei der Präsentation der Studie besorgt über die wachsende Kluft zwischen den europäischen Ländern: Die innovativsten Staaten werden noch besser, andere machen aber kaum Fortschritte.
Die Wirtschaftskrise setzt den betroffenen Ländern auch im Innovationsbereich zu. Unternehmens- und Risikokapitalinvestitionen sind zwar europaweit um 3,1 Prozent gesunken, besonders betroffen waren aber die süd- und osteuropäischen Länder mit Einbrüchen von bis zu 12,8 Prozent in Bulgarien oder 10,2 Prozent in Griechenland.

Was wird untersucht?

Das Innovationsranking der EU-Kommission stützt sich auf 24 Indikatoren. Verglichen werden zum Beispiel die Anzahl angemeldeter Patente, die Zahl der Hochschulabsolventen oder die Höhe der Investitionen in Forschung und Produktentwicklung.

Europa holt auf

Besonders die Schlusslichter des Rankings, die “bescheidenen Innovatoren”, haben laut EU-Kommissar Tajani “große strukturelle Probleme.” Anders als die Innovationsführer Schweden, Deutschland, Dänemark und Finnland investieren die Unternehmen in diesen Ländern deutlich seltener in Forschung und Entwicklung und verfügen oft auch nicht über ein gut entwickeltes und vernetztes Hochschulsystem.

Im internationalen Vergleich liegt die EU weiterhin hinter Südkorea, USA und Japan. Der Abstand zu Japan und USA konnte in den vergangenen vier Jahren halbiert werden. Südkorea konnte seinen Vorsprung allerdings weiter ausbauen.


Studie Bertelsmann Stiftung – Große Konkurrenz für deutsche Exporteure

Wachstumsmarkt China: Große Konkurrenz für deutsche Exporteure – Industrie – Unternehmen – Handelsblatt, 19.03.2013
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/wachstumsmarkt-china-grosse-konkurrenz-fuer-deutsche-exporteure/7952634.html
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung warnt deutsche Unternehmen vor der Stärke aufkommender chinesischer Konkurrenten. Allerdings ist der Markt aus dem Reich der Mitte stark von deutscher Industrie abhängig.
Exporteure müssen sich einer Studie zufolge warm anziehen, um weiter vomWachstumsmarkt China profitieren zu können. Hauptgrund dafür sei der zu erwartende Aufstieg chinesischer Unternehmen in Richtung technologischer Weltspitze, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Prognos-Analyse für die Bertelsmann Stiftung.

„Deutsche Firmen werden nur dann ihre aktuellen Erfolge auf dem Mega-Markt China bewahren können, wenn sie ihren technologischen Vorsprung bewahren und damit – zum Beispiel im Investitionsgüterbereich – auch künftig für ihre chinesischen Kunden unverzichtbar sind”, sagte Bertelsmann-Experte Helmut Hauschild. „Die Wirtschaft muss mehr in Forschung und Entwicklung investieren, um langfristig gegenüber der Konkurrenz aus China zu bestehen.”

Bisher laufe der deutsch-chinesische Handel nach dem Muster „hoch spezialisierte Investitionsgüter aus Deutschland gegen kostengünstige Konsumgüter aus China”. Daher standen die gegenseitigen Ein- und Ausfuhren in der Vergangenheit meist auch nicht in direkter Konkurrenz zur heimischen Industrie, sondern stellten eine Ergänzung zu den im Inland produzierten Gütern dar. Im Klartext: Für hochtechnologische Produkte „Made in Germany” gab es auf dem chinesischen Markt kaum Alternativen. Das dürfte sich der Studie zufolge ändern. „Künftig werden immer mehr deutsche Unternehmen in direkter Konkurrenz mit Wettbewerbern aus China stehen.”


Interview Cornelia Rudloff-Schäffer

Interview Patente Erfindung Innovation Kreativität: “Kreativität ist unser Rohstoff” | Wirtschaft – Frankfurter Rundschau
http://www.fr-online.de/wirtschaft/interview-patente-erfindung-innovation-kreativitaet–kreativitaet-ist-unser-rohstoff-,1472780,16511100.html

Das Wort Patentkrieg hört sie nicht so gern, und sie tut sich auch schwer damit, Patente als Waffen zu bezeichnen. Zu martialisch, sagt sie. Patentamts-Präsidentin Cornelia Rudloff-Schäffer spricht im Interview über deutschen Erfindergeist, Piraten und die Gema.

Zur Person
Cornelia Rudloff-Schäffer, 1957 im Taunus geboren, studierte Jura, Politik und Publizistik in Mainz. Ihre berufliche Karriere begann am Max-Planck-Institut. Mit 34 Jahren wechselte sie ins Bundesjustizministerium und zehn Jahre später zum Deutschen Patent- und Markenamts in München. Seit 2009 ist Cornelia Rudloff-Schäffer dessen Präsidentin und damit die erste Frau an der Spitze der Behörde.

Das Deutsche Patent- und Markenamt hat seinen Hauptsitz in München und insgesamt 2700 Beschäftigte. Die meisten Patentanmeldungen kommen nach wie vor aus der Automobilindustrie und damit aus Süddeutschland. Etwa 60 Prozent aller Anmeldungen stammen aus Baden-Württemberg und Bayern.
Dass Patente im globalen Wettbewerb zunehmend strategischen Wert erlangen, weiß sie nicht erst seit die Handy- und Computergiganten dieser Welt an deutschen Landesgerichten über den Ursprung von Design und Leistungsvermögen ihrer Produkte streiten. Sie muss es wissen. Cornelia Rudloff-Schäffer ist die Chefin des Deutschen Patent- und Markenamtes, in dem rund 130.000 Patente und fast 800.000 Marken registriert sind. „Präsidentin“ steht an ihrer Bürotür in München. Dort trafen wir die humorvolle Juristin zu einem Gespräch.

Sagen Sie, Frau Rudloff-Schäffer, oder muss ich Frau Präsidentin sagen?
Von mir aus nicht.

Frau Rudloff-Schäffer, wenn von MP3-Format, Hybridantrieb oder Fax-Gerät die Rede ist, denken Sie dann auch, was ich denke?
Was denken Sie denn?

Dass die Deutschen zwar erfinden können, aber die Erfindungen vermarkten, das können andere besser.
Das sehe ich aber ganz anders. Es gibt etliche Beispiele, die diese These widerlegen. Airbag und Fischer-Dübel fallen mir sofort ein. Außerdem verdient man beim Fraunhofer-Institut, wo das MP3-Format entwickelt wurde, mit Sicherheit sehr gut an den Lizenzen. Und rund um den Hybridantrieb wurden für Deutschland übrigens allein im vergangenen Jahr über 1 700 Patente angemeldet, davon kamen über 800 aus Deutschland.Eben, erfinden können wir.Wir sind sogar die Nummer eins bei der Zahl der in Europa und in Deutschland angemeldeten Patente. Weltweit liegt Deutschland mit den USA, Japan und Südkorea in der Spitzengruppe. Wir spielen also ganz vorn mit.

Auch in der Energietechnik und im Klimaschutz? Von der Energiewende soll ja ein großer Innovationsschub ausgehen.
Erfindungen entstehen nicht von heute auf morgen. Die Zahl der Patentanmeldungen hat dort aber zugenommen. Den Hybridantrieb hatte ich schon genannt. Im Bereich erneuerbare Energien kommt jedes zweite in Europa angemeldete Patent aus Deutschland. Im Bereich Solarenergie wurden 2005 noch 165 Patente für Deutschland angemeldet. Im vorigen Jahr waren es bereits 976 Anmeldungen.

Während Solarunternehmen zugleich reihenweise pleitegehen. Was geschieht mit den Patenten?
Darüber wird gegebenenfalls der Insolvenzverwalter entscheiden.

Das wird Patent-Jäger freuen, die Patente aufkaufen, um Lizenzen einzuklagen oder gerichtlich gegen Patentnutzungen vorzugehen.
Mit diesen sogenannten Patent-Freibeutern haben wir in Deutschland erfreulicherweise wenig Erfahrung. Die sind vor allem auf dem US-Markt aktiv.

Dort haben sie bereits ganze Betriebe stillgelegt. Der jährliche Schaden wird in den USA auf bis zu 25 Milliarden Dollar geschätzt. Für Deutschland sehen Sie diese Gefahr nicht?
Nein, nicht in diesem Ausmaß. Hierzulande wird das durch das Kartellrecht und das Verbot des Rechtsmissbrauchs erschwert.

Dafür darf die von Ihrer Behörde kontrollierte Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, die Gema, scheinbar nach Belieben schalten und walten und von Clubbetreibern nun sogar das bis zu Zehnfache an Gebühren verlangen. Haben Sie die Kontrolle verloren?
Nein, in keiner Weise. Eine Verwertungsgesellschaft ist gesetzlich dazu verpflichtet, Tarife aufzustellen. Und sie kann bestehende Tarife und deren Strukturen auch ändern. Natürlich gibt es hierfür Grenzen. Und diese Grenzen kann man im Detail bei uns in einem Schiedsstellenverfahren überprüfen lassen. Das geschieht zurzeit.

Ihr Amt hätte den Antrag der Gema ablehnen können.
Nein, eine Verwertungsgesellschaft muss die Tarife vorab nicht von uns genehmigen lassen.

Zurück zu den Patenten. Wie viele Anmeldungen gab es im vergangenen Jahr in Deutschland?
Etwa 60 000. Diese Zahl ist in den zurückliegenden Jahren ziemlich konstant geblieben.

Außerhalb Europas steigt die Zahl der Patentanmeldungen aber seit Jahren stetig an.
Das ist richtig. In Asien gibt es eine rasante Zunahme der Anmeldungen, weil dort die Wirtschaft boomt. Aufgrund unterschiedlicher Rechtssysteme kann es aber auch vorkommen, dass man eine Erfindung in Deutschland mit einer Anmeldung abdecken kann, in Asien aber mehrere Anmeldungen erforderlich sind. In den USA nehmen die Patentanmeldungen vor allem wegen der Patentierung von Software zu, die in Europa nicht patentfähig ist.

Ein Computerprogramm lässt sich in Deutschland nicht patentieren?
Nein, in ganz Europa nicht. Für ein Patent ist bei uns eine technische Erfindung nötig. Software als solche ist nicht patentierbar.

Halten Sie das für zeitgemäß?
Ich denke schon. Wenn jedes kleine Programm patentiert werden kann, zwingt das andere Hersteller zig Tausende von Lizenzen zu erwerben, um an einer eigenen Entwicklung weitermachen zu können.

Ließe sich denn ein raffiniertes Finanzprodukt patentieren? Banker sind ja bekanntermaßen ausgesprochen erfinderisch.
In Deutschland nicht. Möglich, dass das in den USA geht. Dort sind sogar Geschäftsmethoden patentfähig.

Nun ist eine Patentanmeldung noch kein Patent. Wie viele Anmeldungen schaffen es bis dahin?
Etwa 40 Prozent.

Und wer fällt diese Entscheidung?
Das ist allein Sache des Patentprüfers, der den Antrag unter strengsten Geheimhaltungsbedingungen begutachtet. Insgesamt arbeiten bei uns 800 Prüferinnen und Prüfer. Das sind Ingenieure und Naturwissenschaftler mit wenigstens fünf Jahren Berufserfahrung, sehr gute Leute. Das Deutsche Patent- und Markenamt hat weltweit einen ausgezeichneten Ruf, wenn ich das mal so sagen darf.

Auch der Präsident des chinesischen Patentamtes wurde bei Ihnen ausgebildet.
Genau. Der Präsident und der Vizepräsident haben uns übrigens erst kürzlich besucht. Die Tischtennisplatten für unser kleines Turnier im Rahmen des Besuchs haben wir gerade erst wieder abgebaut.

Moment, Frau Präsidentin. Chinesische Firmen kopieren hemmungslos deutsche Produkte vom Adidas-Turnschuh bis zum Smart und Sie spielen mit Chinas obersten Patentbeamten Pingpong?
Ja und? Wir haben das chinesische Patentamt mit aufgebaut. Dadurch ist zwischen unseren Ämtern großes Vertrauen entstanden. Wir konferieren regelmäßig, tauschen Prüfer aus. Es geht doch darum, sich gegenseitig zu verstehen.

Aber was hat die deutsche Wirtschaft davon?
Sie profitiert zum Beispiel davon, dass in China der Wert geistigen Eigentums immer mehr ins allgemeine Bewusstsein rückt. Zugleich merke ich, dass die Durchsetzung von Schutzrechten in China stetig besser wird. Denn es nützt doch nichts, wenn jemand ein Patent hat, es aber kein Gericht gibt, vor dem er es einklagen kann. Diese Sensibilität wächst in dem Maße, wie die Chinesen ihr eigenes geistiges Eigentum als schutzwürdig erkennen. Der Druck kommt zunehmend von innen. Die Zahl der Patentanmeldungen für Erfindungen in China ist im Jahr 2011 bereits auf mehr als eine halbe Million gewachsen. Das Wachstum beruht stark auf chinesischen Anmeldungen. Die Chinesen haben die Schwelle von der Imitation zur Innovation überschritten.

Das heißt, im Gegenzug geht die Zahl der Kopien zurück?
Absolut. China hat eine klare Strategie für geistiges Eigentum, nach der bis zum Jahr 2020 Weltmarken entwickelt werden sollen. Es gibt ganz konkrete Zielstellungen für anzumeldende Patente, auch in Bezug auf ein höheres Niveau der Erfindungen.

In Europa ist das Tempo längst erkennbar. Die Zahl der Patentanmeldungen chinesischer Unternehmen hat sich in den vergangenen drei Jahren verdreifacht. Muss uns das Sorgen bereiten?
Es befördert zunächst einmal den internationalen Handel. Zugleich zeigt es aber auch, was eine klare Strategie bewirken kann.

Wünschen Sie sich ein solches Programm auch in Deutschland?
Sicher wäre das wünschenswert. Forschung und Entwicklung sind unsere Stärken. Dort sind wir international in einer Spitzenposition, aber die müssen wir erfolgreich verteidigen. Kreativität und Innovationskraft sind unsere Rohstoffe.

Andererseits schöpft aber selbst BMW bereits ein Drittel seines Gewinns nicht aus dem Automobilbau, sondern aus Bankgeschäften. Das spricht nur bedingt für eine frohe Zukunft des deutschen Ingenieursgeistes.
Das sehen Sie zu schwarz. In der Liste der aktivsten Patentanmelder in Deutschland wird BMW immerhin auf Platz zehn geführt. Das Auto selbst ist ein weiterer Anlass zu Optimismus. In einem Auto stecken schließlich rund 50 000 Patente.

Wenn es zum Streit kommt, führt man diesen gern in Deutschland. Apple und Samsung etwa zogen vor das Oberlandesgericht Düsseldorf. Hierzulande werden jährlich rund 900 Patentklagen geführt, während zum Beispiel an britischen oder niederländischen Gerichten jeweils nur 50 Patentstreitigkeiten ausgefochten werden. Woran liegt das?
Ich würde sagen, das liegt an der Qualität, der Fachkompetenz und der Erfahrung unserer Richter. Zudem dürfte die Größe des Marktes Deutschland für die Kläger eine nicht unerhebliche Rolle bei der Wahl des Gerichts spielen.

Es soll auch günstiger sein, hier in Deutschland zu klagen.
Möglich. Wir haben ein gutes Rechtssystem, das solide Leistungen zu vertretbaren Kosten anbietet.

Gibt es eigentlich etwas, das Ihrer Meinung nach dringend erfunden werden müsste?
Ein Kaffeesahnedöschen, das nicht spritzt, wenn man es aufmacht.

Na los.
Ich bin Juristin, keine Technikerin.

Und Sie sind Präsidentin. Frau Rudloff-Schäffer jetzt haben wir gar nicht über Frauen in Führungspositionen gesprochen. Schlimm?
Überhaupt nicht. Aber da gibt es eigentlich auch nicht viel zu reden.

Das Gespräch führte Jochen Knoblach.


Zukunftsmärkte

Rennen um Erfindungen: China jagt den Patent-Weltmeister – Rennen um Erfindungen – FOCUS Online – Nachrichten, 27.04.2013
http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/tid-25519/rennen-um-erfindungen-china-wird-patent-weltmeister_aid_738780.html

Forschung und Innovation – das sind die Stärken der deutschen Industrie. Doch die Chinesen sind den hiesigen Ingenieuren hart auf den Fersen: Ihre Patentanmeldungen explodieren. Das hat für Deutschland aber auch Vorteile.
Der Glanz des alten Europas leuchtete noch einmal auf, als Siemens-Chef Peter Löscher vor kurzem einen prestigeträchtigen Preis entgegennahm: Das Europäische Patentamt (EPO) zeichnete Siemens +0,81% als innovativstes Unternehmen aus. Keine andere Firma hatte 2011 so viele Patente angemeldet wie der Münchner Elektronik-Riese: 2235 an der Zahl. Praktischerweise fand die Preisverleihung gleich im Münchner Siemensforum statt. Konzernchef Löscher hatte es also nicht weit, um aus den Händen von EPO-Präsident Benoît Battistelli die Urkunde zu empfangen.

Siemens strahlt mit seiner Innovationskraft nach wie vor. Doch der zukünftige Stern am Forschungshimmel ist China. Das Land hat in den vergangen Jahren eine atemberaubende Entwicklung hingelegt. Längst ist die Volksrepublik nicht mehr nur ein Massenproduzent von Kleidung und billiger Elektronik. China wird immer mehr zum High-Tech-Standort. Kaum etwas spiegelt diese Verwandlung so deutlich wider wie die Bilanz des Europäischen Patentamts für die vergangenen fünf Jahre.

Rasante Aufholjagd

2007 war China mit gut 5800 Patentanträgen noch eine relativ unbedeutende Forschungsnation. Doch bis 2011 hat das Land die Zahl seiner Patentanträge fast verdreifacht – auf 16 946. Davon wurden 12 750 Patente gewährt.
Die chinesische Industrie hat sich damit in nur wenigen Jahren an alten Platzhirschen wie Frankreich vorbeigeschoben. Das Reich der Mitte belegt in der EPO-Länder-Rangliste nun schon Platz vier – hinter den USA, Japan und Deutschland.

Behält China dieses Tempo bei, dürfte Deutschlands komfortabler dritter Platz bald wackeln. Noch können die deutschen Unternehmen ihre chinesischen Konkurrenten mit über 33 000 gewährten Patenten klar distanzieren. Doch der Trend ist eindeutig: China holt bei Forschung und Entwicklung auf – und zwar mit Riesenschritten. Bei der Hannover Messe, die in am 23.April startet, werden Chinas Top-Unternehmen ihre Muskeln spielen lassen. China ist in diesem Jahr Gastland bei der weltgrößten Industrie-Schau – zum ersten Mal seit 1987.

Neue Ära

EPO-Chef Battistelli hat die Zeichen der Zeit erkannt. „China wird Europa bei der Zahl der Patentanträge bald überholen“, sagt er. Um diese Entwicklung nicht zu verpassen, versuchen deutsche Industrieunternehmen, bei der Forschung vor Ort dabei zu sein. Ein Mittel dafür sind Stiftungslehrstühle an chinesischen Universitäten. Volkswagen zum Beispiel unterhält drei Stiftungsprofessuren am chinesisch-deutschen Hochschulkolleg der Tongji Universität in Shanghai. Wenn Elektroautos in China ihren Marktdurchbruch erreichen, wolle VW „von Anfang an vorne mit dabei“ sein, sagt Tobias Giebel, Leiter des Volkswagen Research Lab in Shanghai. Der Automobilzulieferer Bosch fördert seit 1999 eine Stiftungsprofessur für Kraftfahrzeugsysteme an der Tongji-Universität. Durch solche Kooperationen entgehen den deutschen Firmen zwar keine wichtigen Trends – dafür sie stärken den Forschungsstandort China zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund haben die Worte von Peter Löscher etwas Beschwörendes: „Europa ist der Kontinent der Erfinder“, sagte er bei der Preisverleihung. Aber tatsächlich wird sich Europa – die Wiege der industriellen Revolution – anstrengen müssen. „Wir müssen besonders innovativ sein, weil wir teuer sind“, mahnte Löscher.

Wer schützt die Patente?

Doch der Unterhalt von Innovations- und Forschungsabteilungen ist ebenfalls kostspielig. Löscher muss sich fragen lassen, ob er nicht zu viel Geld für seine Ingenieure ausgibt. Seine Antwort: „Man entwickelt zwar teilweise Dinge, die nicht marktfähig sind. Aber das ist Teil der Forschungskultur.“ Auch 2012 werde der Konzern die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigern. Das sei jedoch nur zu finanzieren, wenn es einen wirksamen Schutz für geistiges Eigentum gebe.

Hier kommen wieder die Patente ins Spiel. Sie sind für den Urheberrechtsschutz unerlässlich. Allerdings hat sich das aufstrebende China über Jahre mit abschreckenden Beispielen von Produktpiraterie den Ruf eines Fälscher-Paradieses erworben. Gerade bei forschungsintensiven Industrieprodukten können dadurch hohe Schäden entstehen.

Doch es gibt Hoffnung: EPO-Präsident Battistelli glaubt, dass sich das Problem gerade entschärft – und in einigen Jahren womöglich weitgehend erledigt haben wird. Im Interview mit FOCUS-Online erklärt er, warum die Chinesen selbst ein Interesse an Patentschutz haben.


Hidden Champions

Die heimlichen Champions von Böblingen
Innovation: Die heimlichen Champions von Böblingen | Wirtschaft | ZEIT ONLINE, 27.04.2013
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/03/Dossier-Innovation-Standort-Deutschland/seite-1

In der süddeutschen Kleinstadt sind Weltmarktführer zu Hause. Hier zeigt sich, wie Deutschland auf seine eigene Art innovativ ist.

Kein Zweifel, es gibt schönere Städte. Wie eine Insel erheben sich die bescheidenen Reste der Altstadt aus einem Meer von unscheinbaren Nachkriegsbauten. Dennoch ist Böblingen äußerst attraktiv: Fünf Weltkonzerne fühlten sich von der 46.000-Einwohner-Stadt angezogen. Sie kamen, um hier auch zu forschen und zu entwickeln. Das tun sie nun neben weit über hundert kleineren Unternehmen, die ebenfalls an zukunftsträchtigen Ideen arbeiten. Die Gegend gilt als besonders innovativ.

Unternehmen im Hochlohnland Deutschland müssen mit Innovationen glänzen, um im globalen Wettbewerb mitzuhalten. Etwa 70 Milliarden Euro wurden hierzulande 2010 für Forschung und Entwicklung ausgegeben – immerhin 2,82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Rund zwei Drittel des Geldes investierte die Wirtschaft. Oft in Baden-Württemberg: Im industriellen Herzen Deutschlands, wo der Automobil- und Maschinenbau eine lange Tradition hat, feilen Ingenieure, Facharbeiter und Forscher an der Perfektionierung ihrer Produkte – heute meist mithilfe der Informationstechnik, die im Ländle ebenfalls tief verwurzelt ist.

Auf einem Hang am Böblinger Stadtrand thront die HP-Europazentrale, in der 3.700 Menschen arbeiten. Ihr zu Füßen liegt das Gewerbegebiet Hulb, wo eine Straße nach Hewlett-Packard benannt ist. Über 50 Jahre ist es her, dass Bill Hewlett und Dave Packard einen Standort für ihre erste Fabrik in Europa suchten. Im kalifornischen Palo Alto hatten die beiden Stanford-Absolventen 1939 ihr Unternehmen gegründet; die Garage, in der sie den ersten Tonfrequenzgenerator bauten, war die Keimzelle des Silicon Valley. 1959 wagten sie den Sprung über den Atlantik. Nachdem zuletzt Belgien ausgeschieden war, standen noch Baden-Württemberg und Bayern zur Wahl. Bill Hewlett entschied sich für Böblingen – dort »schaffe« man bekanntermaßen, während in Bayern doch nur Bier getrunken werde. Schon fünf Jahre später steuerten die schwäbischen Mitarbeiter das erste Gerät, das außerhalb der USA entwickelt wurde, zum HP-Sortiment bei: einen Pulsgenerator zum Testen von digitalen Schaltkreisen.

Der IT-Riese profitierte vom schwäbischen Erfindergeist, der die baden-württembergische Wirtschaft noch heute beflügelt. Deren Innovationskraft sei herausragend, ergab eine Studie der Schweizer Wirtschaftsforscher von BAK Basel Economics. Sie verglichen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 69 europäischen Regionen sowie die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich und die der Patente: Baden-Württemberg führt klar. Sehr positiv schneidet die Gegend rund um Stuttgart ab. Im Landkreis Böblingen etwa sei »die Ausrichtung auf wissensintensive Branchen besonders ausgeprägt«, so die Studie – was den dort verwurzelten Unternehmen ebenso zu verdanken ist wie den zugewanderten Weltkonzernen, die sich von der schwäbischen Mentalität anlocken ließen.

Ideenreichtum, gepaart mit technischem Interesse und viel Fleiß, brachte hier immer neue Betriebe hervor. »In der Gegend um Stuttgart gibt es eine lange handwerkliche Tradition, und außerdem waren die Schwaben immer sehr auf Eigenständigkeit bedacht«, sagt Hermann Simon. »Da wirkt der Erfinder- und Unternehmergeist ansteckend.« Der Berater und frühere Wirtschaftsprofessor entdeckte einst die innovativen mittelständischen Weltmarktführer, die Hidden Champions. Weit über tausend davon gibt es in Deutschland. »Die USA sind geprägt von spektakulären Durchbruchsinnovationen à la Google und Amazon«, sagt er. »Hier hingegen haben wir eine sehr starke Spezialisierung, und die Innovationen sind eher gradueller Natur.«

Etwa bei Daimler, einem der prägendsten Unternehmen in Schwaben. Im 19. Jahrhundert hatte Gottlieb Daimlers Erfindung des Autos Furore gemacht – bis heute arbeitet man daran, sie zu optimieren. Im Gewerbegebiet Hulb, wo die 400 Mitarbeiter der Abteilung Forschung und Vorentwicklung sitzen, geht es um das Zukunftsprojekt 6D-Vision – eine Stereokamera nimmt Straßenlage dreidimensional wahr und erkennt blitzschnell gefährliche Situationen. Das Ziel: der unfallfreie Verkehr. Die Integration des iPhones in den Mercedes entwickelten die Böblinger gemeinsam mit ihren rund 100 Kollegen aus der Daimler-Dependance im Silicon Valley.

Auch der Böblinger Anlagenbauer Eisenmann gehört zur Weltspitze. Vor über 60 Jahren gründete der Ingenieur Eugen Eisenmann das Unternehmen. Russland, einer der wichtigsten Kunden, kauft hier Anlagen zur Vernichtung von Munition und chemischen Waffen. Zu den jüngsten Entwicklungen gehören Autolackieranlagen mit einem um 75 Prozent reduzierten Energieverbrauch. »Wir können Wachstum nur durch Innovationen erreichen«, sagt Vorstandssprecher Matthias von Krauland. »Für uns als deutsches Unternehmen ist es wichtig, den Entwicklungsvorsprung über Jahre hinweg zu halten.« Pro Jahr meldet Eisenmann 30 bis 50 Patente an.


KfW-Studie Mittelstand

Studie: Innovationen führen zu mehr Beschäftigung im Mittelstand
https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Details_11033.html

  • Mittelständler in stark innovierenden Wirtschaftszweigen schaffen signifikant mehr Arbeitsplätze als Unternehmen in anderen Branchen
  • Innovationen führen in expandierenden Unternehmen zu zusätzlichem Beschäftigungswachstum und in schrumpfenden Unternehmen verringern sie den Arbeitsplatzabbau
  • Auch von Prozessinnovationen – oft als Jobkiller verschrien – geht eine positive Wirkung auf die Beschäftigtenzahl aus

Innovationen stärken nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen, sondern schaffen auch neue Arbeitsplätze bzw. sichern diese. Dies zeigt eine Studie der KfW auf der Basis des KfW-Mittelstandspanels für den Zeitraum 2002 bis 2010. Die Untersuchungsergebnisse machen deutlich, dass von Innovationen sowohl in KMU, die ohnehin bereits expandieren, aber auch in schrumpfenden Unternehmen beschäftigungsfördernde Wirkungen ausgehen. Dies gilt nicht nur für die Einführung neuer Produkte, sondern auch für die häufig mit “Rationalisierungsmaßnahmen” gleichgesetzten und als “Job-Killer” wahrgenommenen Prozessinnovationen.

Die Studie zeigt, dass in Branchen mit überdurchschnittlich hohen Innovationsanstrengungen die Beschäftigung fast doppelt so stark wächst als in Wirtschaftszweigen mit vergleichsweise geringen Innovationsaktivitäten. So nahm im FuE-intensiven Verarbeitenden Gewerbe (z.B. Maschinenbau, Chemie-/Pharmaindustrie, Automobilsektor) die Beschäftigung in den vergangenen knapp zehn Jahren um durchschnittlich 2,2% zu. Im nicht FuE-intensiven Verarbeitenden Gewerbe beträgt der Wert dagegen nur 1,2%. Auch im Dienstleistungssektor ist die Beschäftigtenzahl in den innovativen mittelständischen Unternehmen der wissensintensiven Wirtschaftszweige (z.B. EDV-Dienste, Softwarehäuser) mit durchschnittlich 2,0% stärker gestiegen als bei den Mittelständlern der nicht wissensintensiven Wirtschaftszweige mit 1,8%.

Der Unterschied in den Beschäftigtenwachstumsraten zwischen innovierenden und nicht innovierenden Mittelständlern beträgt in schrumpfenden Unternehmen bis zu 1,5 Prozentpunkte zu Gunsten der Innovatoren und wächst in expandierenden Unternehmen bis auf 3,4 Prozentpunkte an. In expandierenden Unternehmen mit Prozessinnovationen steigt diese Differenz immerhin noch auf bis zu 2,9 Prozentpunkte.

Der Chefvolkswirt der KfW, Dr. Norbert Irsch: „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen eindrucksvoll die hohe Bedeutung von Innovationen für Unternehmenswachstum und die damit einher gehende Schaffung von Arbeitsplätzen. Vor dem Hintergrund des seit Jahren zu beobachtenden Rückzugs von immer mehr mittelständischen Unternehmen aus eigener FuE-Tätigkeit drohen Innovationspotentiale verlorenzugehen. Dadurch bleiben wichtige Impulse für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands aus. Eine nachhaltig wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik sollte daher ihre Anstrengung bei der Stärkung der Innovationskraft deutscher Unternehmen weiter ausbauen.“


Interview „Offensive Mittelstand“

„Mittelständler sind oft innovativer als große Konzerne“
Interview: „Mittelständler sind oft innovativer als große Konzerne“ – Mittelstand – Unternehmen – Handelsblatt
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/inqa-unternehmenscheck/interview-mittelstaendler-sind-oft-innovativer-als-grosse-konzerne-seite-all/7087690-all.html

Im Alltag wird oft improvisiert. Gerade kleine Firmen können nur von Auftrag zu Auftrag denken. Doch in Zukunft hat nur Erfolg, wer alle Möglichkeiten nutzt. Wie das geht, erläutern Experten der „Offensive Mittelstand“.
Welchen Herausforderungen stehen kleine und mittelständische Unternehmen gegenüber und wie können Sie bei deren Lösung unterstützt werden, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich die „Offensive Mittelstand – Gut für Deutschland“, ein Netzwerk der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“.

Helmut Ehnes und Oleg Cernavin von der „Offensive Mittelstand“ im Gespräch mit Handelsblatt Online über neue Möglichkeiten der Unterstützung mittelständischer Betriebe und den Inqa-Unternehmenscheck „Guter Mittelstand“.

Handelsblatt Online: Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Vor welchen Herausforderungen steht der Mittelstand aktuell und in absehbarer Zukunft?
Helmut Ehnes: Der wachsende internationale Wettbewerb, der demographische Wandel und der rasante Strukturwandel wirbeln die Arbeitsbedingungen durcheinander. Vieles, was heute noch stimmt, ist morgen bereits passé. Das Arbeitsleben wird dadurch immer intensiver, Zeit- und Wettbewerbsdruck nehmen kontinuierlich zu. Die zweite große Herausforderung besteht darin, gute Leute zu finden. Mitarbeiter, die diese Veränderungen bewältigen können. Schon heute bekommen viele Mittelständler den Fachkräftemangel deutlich zu spüren. Für kleine Unternehmen ist die Personalsuche eine riesige Herausforderung. Aber Veränderungsprozesse bieten immer auch große Chancen – die gilt es jetzt zu nutzen.

Welche Potentiale sehen Sie hier?
Ehnes: Die Stärke des Mittelstands liegt bei den arbeitenden Menschen. Kleine Teams, die direkte Einbindung der Belegschaft in die Produktentwicklung und ihr unmittelbarer Kontakt zu Kunden – Mittelständler sind schneller, beweglicher und oft auch innovativer als große Konzerne. Flache Hierarchien sind schon wegen der Betriebsgrößen selbstverständlich und die Orientierung der Mitarbeiter am Produkt einerseits und an den Wünschen der Kunden andererseits ist sehr stark ausgeprägt. Deshalb finden wir unter den kleineren Unternehmen häufig auch besonders innovative und erfolgreiche.

Was können kleine und mittelständische Unternehmen hinsichtlich der Herausforderungen denn tun?
Ehnes: Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt in den Mitarbeitern des Unternehmens: Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden sind und Freude an der Arbeit haben, arbeiten sie motiviert und produktiv. Das fördert den Unternehmenserfolg, bindet gute Leute dauerhaft und macht das Unternehmen für neue Mitarbeiter attraktiv. Die Guten wissen deshalb, dass ihr Erfolg entscheidend von ihren Beschäftigten abhängt, und dass Erfolg kein Zufall ist. Er folgt klaren Regeln: Nötig ist ein systematisches Vorgehen und gute Führung, die Arbeitsbedingungen so gestaltet, dass Beschäftigte mit Freude arbeiten. Beschäftigte müssen die Strategie des Unternehmens kennen und verstehen, müssen wissen, welche Rolle sie darin spielen. Je besser es gelingt, Mitarbeiter einzubinden, umso größer sind Identifikation und Leistungsbereitschaft. Gute Führung heißt aber auch, sichere und störungsfreie Abläufe ebenso zu gewährleisten wie das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten im Blick zu haben. Unternehmen, die so vorgehen, lernen unentwegt – auch aus Fehlern.
Oleg Cernavin: Kleine Unternehmen haben es hier eigentlich leichter, weil die persönliche Nähe deutlich größer ist und Prozesse überschaubarer und direkter sind. Andererseits haben sie natürlich weniger Ressourcen zur Verfügung und gehen deshalb häufig nicht so systematisch und strategisch vor, wie es die größeren tun.

Wie unterstützen die Initiative Neue Qualität der Arbeit und insbesondere die Offensive Mittelstand Mittelständler konkret dabei, ihre Potentiale zu nutzen und Herausforderungen zu bewältigen?
Ehnes: Mehr Arbeitsqualität für Beschäftigte ist der Schlüssel für mehr Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb unterstützt die Initiative Neue Qualität der Arbeit kleine und mittelständische Betriebe dabei, solche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Systematisch und von Grund auf. Sie macht gute Beispiele aus der Praxis sichtbar und damit nachahmbar, sie unterstützt die Umsetzung entsprechender Maßnahmen durch Informations- und Beratungsangebote – im Internet, durch Leitfäden und Studien, aber auch durch Workshops und Veranstaltungen.
So bieten Betrieben mit weniger als 500 Mitarbeitern 95 Prozent der offenen Stellen an.

Cernavin: Und sie bietet konkrete Tools wie den Inqa-Unternehmenscheck „Guter Mittelstand“. Damit haben wir ein sehr praxisbezogenes Instrument geschaffen, mit dem ein Mittelständler kostenlos im Selbsttest herausfinden kann, wie sein Unternehmen aufgestellt ist. Anhand von Fragen aus elf Themenfeldern können Unternehmer Handlungsbedarfe systematisch erkennen. Obendrein erhalten sie konkrete Anregungen, wo und wie sie aktiv werden können.

Im stressigen Arbeitsalltag haben beispielsweise Handwerksbetriebe in aller Regel kaum Zeit – warum ist es trotzdem wichtig, den Inqa-Unternehmenscheck zu machen?
Cernavin: Das Problem ist doch: Viele haben keine Zeit, weil sie improvisieren und nicht gezielt alle Potenziale nutzen. Das ist menschlich, weil häufig von Auftrag zu Auftrag gedacht wird. Doch in Zukunft werden nur Unternehmen erfolgreich sein, die systematisch alle Möglichkeiten nutzen. Genau bei diesem systematischen Blick hilft der Unternehmenscheck: Er versucht Freude am Gestalten und am Neuen zu wecken und an systematischen und störungsfreien Abläufen. Deshalb finden Unternehmer im Check auch die Themen, mit denen sie sich jeden Tag ohnehin beschäftigen müssen, zum Beispiel Führung, Liquidität oder auch Organisation. Es geht darum, das, was ohnehin Thema ist, bewusster zu machen. Der Check ist aber auch so angelegt, dass er unkompliziert, ohne einen großen Zeitaufwand, durchgeführt werden kann.

Was kommt nach dem Check – nur das zu machen reicht doch nicht aus, oder?
Cernavin: Der Check ist mehr als eine Analyse, er bietet auch individuelle und konkrete Unterstützung bei der Umsetzung. Direkt nach dem Online-Test erhalten die Unternehmen ihr individuelles Handbuch mit To-Do-Liste als PDF-Datei.

Ehnes: Entscheidend ist letztlich das, was der Unternehmer in seinem Betrieb tut. Der Check ist eine erste Analyse. Er hilft dabei, die Alltags-Prozesse zu überdenken und liefert konkrete Anregungen, wie diese neu gestaltet werden können. Wer tiefer einsteigen will und mehr Unterstützung wünscht, dem bieten die Initiative Neue Qualität der Arbeit und die Offensive Mittelstand weitere Praxishilfen, Hintergrundinformationen, Beratung und eine Vielzahl von Partnern, die zu allen Fragen des betrieblichen Alltags weiter helfen können.

Sorry, you can not to browse this website.

Because you are using an outdated version of MS Internet Explorer. For a better experience using websites, please upgrade to a modern web browser.

Mozilla Firefox Microsoft Internet Explorer Apple Safari Google Chrome